Digitalisierung von Geschäftsmodellen – Wer hat den Mut?

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Im Rahmen der Serie „Zukunft aktiv gestalten | Perspektiven für den Mittelstand“ organisierte KLAITON gemeinsam mit dem management club eine Veranstaltung mit einem hochkarätigen Podium und einem hoch interaktiven Teil zum Thema “Digitalisierung von Geschäftsmodellen”.

Tenor der Veranstaltung war:

Digitalisierung betrifft alle Branchen, alle Geschäftsmodelle und auch jeden einzelnen von uns persönlich.


Michael Hirschbrich, Gründer & CEO von updatemi hielt die keynote, am Podium saßen: Andreas Hieger, Geschäftsführer bei Qualysoft, Sophie Martinetz, Gründerin und GF von Seinfeld Professionals, Carina Trapl, Wissens- und Innovationsarchitektin bei theLivingCore, Manuela Vollmann, Gründerin und GF des abz*austria. Nikolaus Schmidt, Co-Gründer und GF bei KLAITON moderierte das Event.

Es geht nicht nur darum, einen Online Shop als neuen Vertriebskanal aufzubauen

Michael „Mic“ Hirschbrich, CEO bei updatemi, inspirierte mit seiner Key Note und brachte Kodak als anschauliches Beispiel ein:

Der vormalige20160224_084202 Marktführer im Bereich Fotographie wurde von einer Firma mit 18 Mitarbeitern vom Markt verdrängt. Kodak hatte bereits vor dieser Entwicklung einen CIO angestellt, der sich explizit mit Digitalisierung beschäftigen sollte. Doch Digitalisierung wurde bei Kodak anders interpretiert und ausschließlich als Elektronifizierung interner Firmenprozesse gesehen und nicht als neues, paralleles Geschäftsmodell Richtung Kunden. Dass gleichzeitig Innovationen auf den Markt drängen, die das Endprodukt selbst digitalisieren, wurde einfach übersehen.

Mic Hirschbrich betont am Abschluss seiner keynote klar:

“Bei Digitalisierung geht es nicht nur um Teilaspekte eines Unternehmens. Es  geht um das gesamte Geschäftsmodell. Das kann das Unternehmen und die Produkte ganz tief im Kern verändern – und manchmal sogar die Position in der Wertschöpfungskette.”

Im Rahmen der anschließenden, kurzen Podiumsdiskussion konnten sich die Diskutanten zur Keynote positionieren:

Der menschliche Faktor – Vertrauen, Identität & Mut

Sophie Martinetz von Seinfeld Professionals hat online ein „Schwarzes Brett“ für Ausschreibungen und Vergabeverfahren von Anwaltsdienstleistungen ins Leben gerufen. Sie betont: in der Dienstleistungsbranche geht es um Vertrauen und die Sicherheit einen guten Ratgeber gefunden zu haben. Outsourcen und digitalisieren kann man die „unmenschlichen Komponenten“ – nämlich die Vergabe von Mandaten. Hier unterstützt eine digitale Plattform, spart Zeit und Kosten, die dann wieder für die wichtigen Dinge – die vertrauensvolle Zusammenarbeit – frei werden.

Auch Andreas Hiegler von Qualysoft unterstreicht den menschlichen Faktor: man muss sich als Unternehmer entscheiden, ob und wie man dabei sein möchte. Will ich alles auf eine Karte setzen und zu den Vorreitern gehören? Oder möchte ich mein Geschäftsmodell behalten und nur meine Kundenkommunikation digitalisieren? Jedes Unternehmen braucht die digitale Businessstrategie, die zu ihm passt.

Übrigens: Digitalisierung ist nicht nur ein Thema für Großkonzerne, im Gegenteil. Mittelständische Unternehmen sind wendiger, agiler und haben viel bessere Möglichkeiten schnell auf Veränderungen zu reagieren oder sie selbst herbei zu führen. Digitalisierung ist dabei immer eng mit Innovation – sowohl in der disruptiven als auch in der inkrementellen Variante – verbunden. Die Frage woher Innovation kommen soll, ist damit natürlich auf der Hand liegend:

Digitale Innovation – woher soll sie denn kommen?

Manuela Vollmann von abz*austria sieht in Bildung, besonders wenn es um work-based learning, also Lernen bei der täglichen Arbeit, geht, einen wichtigen Schlüssel zur Innovationskraft eines Unternehmens: Es braucht Bildung, Mentoringsysteme, learning on the job, um Denkräume zu öffnen. Dazu bieten digitale Lernmodelle eine große Unterstützung –  die Digitalisierung eröffnet hier enorme Chancen.

Carina Trapl, Innovationsarchitektin bei theLivingCore, löst das Thema Digitalisierung erst einmal vom Innovationsgedanken los: Sie bietet Denkräume für „learning from the future” an, denn aus der Vergangenheit zu lernen bringt nur bedingt etwas. Ganz frei von allem Vergangenen zu denken und Ideen zu entwickeln ist ihr Ansatz.  Erst danach werden unterstützende Technologien gesucht oder entwickelt. Auf diesem Weg kommt man auf die benötigten Geschäftsmodelle bzw. deren Anpassungen.

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Nach der ersten halben Stunde wurde das „klassische“ Podium aufgelöst und drei Gruppen gebildet, die sich jeweils mit der Frage beschäftigten:

„Wie sehr wird die Digitalisierung in den kommenden 5 Jahren die Arbeit und die Leistungen meines Betriebes beeinflussen?“

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Nach Auswertung aller Einzelmeinungen wurde ein durschnittlicher Wert von 7,9 vergeben: Nahezu keiner der ca. 50 TeilnehmerInnen gab eine Wertung unter 5 ab, die Mehrheit tendierte Richtung 10.

Digitalisierung von Geschäftsmodellen – ein Thema, viele Gesichter20160224_093510

In den Gruppendiskussionen wurden mehrere Themen aus kontroversiellen Blickwinkeln diskutiert:

Mut & Angst

Es braucht wohl Mut um sich diesem Thema zu stellen und es anzugreifen. Dabei muss dann auch entschieden werden: „Laufe ich voraus, schwimme ich mit oder ignoriere ich diesen Trend?“ Wer Mut zur Veränderung hat, ist nicht angstfrei. Werden viele Jobs wegfallen? Was bedeutet die Veränderung für mein gut laufendes Geschäft?

Transparenz & Regulatorien

Vergleichbarkeit und Demokratisierung werden massiv erleichtert und teilweise das erste Mal möglich – erhöhte Transparenz stiftet enormen Kundennutzen. Gleichzeitig wird über die gläserne Identität diskutiert: Ist es wirklich gut, wenn jeder alles von jedem weiß?

Standardisierung & Innovation

Digitalisierung bedeutet auch oft Standardisierung: Prozesse werden schneller und kostengünstiger digital abgewickelt statt analog, Standards & ISO-Zertifizierungen helfen dabei, die Qualität zu sichern. Gleichzeitig hemmen Standardisierungen die Innovationskraft. Wie findet man da die richtige Balance?

Im Gesamtrückblick:

Eine sehr inspirierende Diskussion zu einem Thema mit vielen Facetten. Bei allen unterschiedlichen Meinungen, Aspekten, Herangehens- und Sichtweisen kommen die TeilnehmerInnen auf einen gemeinsamen Nenner: Digitalisierung ist nicht mehr wegzudiskutieren und betrifft uns alle – geschäftlich und privat.

Spannende Zeiten stehen uns bevor, wir bei KLAITON sind mitten drin und freuen uns dabei zu sein!

Liebe Grüße,

Nikolaus Schmidt