Führen, wenn Sicherheit fehlt
Wirtschaftliche Erholung schafft neue Spielräume. Nutzen können Unternehmen sie aber nur, wenn Entscheidungen getroffen werden – auch dann, wenn noch nicht alle Antworten auf dem Tisch liegen.
Zuversicht ist kein Gefühl. Sie ist eine Führungsentscheidung. Es tut sich wieder etwas. Nach Jahren, in denen sich wirtschaftliche Prognosen ungefähr so aufmunternd gelesen haben wie der Beipackzettel eines starken Medikaments, gibt es einige Anzeichen für mehr Dynamik und eine leichte wirtschaftliche Erholung. Das allein wird allerdings nicht reichen: Aufschwung entsteht nicht nur durch bessere Rahmenbedingungen. Er entsteht auch dort, wo Unternehmen wieder Entscheidungen treffen:
Gerade unter Unsicherheit zeigt sich, was Leadership bedeutet. Die vergangenen Jahre haben Führungskräfte daran gewöhnt, mit Ambiguität zu leben: geopolitische Unsicherheit, technologische Sprünge, schwankende Nachfrage, Fachkräftemangel und eine Regulatorik, bei der man gelegentlich das Gefühl bekommt, selbst die Fußnoten hätten Unterkapitel. Auf Sicherheit zu warten, ist also keine besonders aussichtsreiche Strategie. Die entscheidende Frage lautet: Wie treffen wir bestmögliche Entscheidungen unter Unsicherheit? Gute Führung bedeutet nicht, immer die richtige Antwort zu kennen, sondern Orientierung zu schaffen, unterschiedliche Perspektiven auszuhalten und irgendwann den Punkt zu erkennen, an dem eine weitere PowerPoint-Folie die Entscheidung auch nicht besser macht. (Denn unsere Klaiton Consultants können viel mehr als schöne Folien). Denn Nicht-Entscheiden ist nur die schlecht dokumentierte Entscheidung. In Berlin wiederum zeigt man, dass Entscheidungsstärke sehr unterschiedlich aussehen kann: Wenn der Wohnungsmarkt schwierig ist, diskutiert man eben nicht nur über mehr Angebot, sondern gleich über die Eigentumsfrage. Das hat eine gewisse Konsequenz und ist in gewisser Weise auch eine Art Leadership. Ob Immobilien, Organisationen oder Geschäftsmodelle: Ohne Entscheidungen wird es jedenfalls schwierig. Vielleicht ist genau das die Chance der kommenden Monate: weniger Krisenverwaltung, mehr Gestaltungswille. Weniger Warten auf Eindeutigkeit, mehr Handeln mit Augenmaß. Zuversicht heißt schließlich nicht, dass alles gut ausgehen wird. |