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Auswirkungen des Ukraine Kriegs auf die Wirtschaft in DACH

Wie Expert:innen die Lage aktuell bewerten.

Operations Finance

Nikolaus Schmidt

08.03.2022

3 min

Seit zwei Wochen wissen wir, dass Kriege in Europa doch nicht der Vergangenheit angehören. Was nur wenige hundert Kilometer von unserem Klaiton Headquarter in Wien entfernt stattfindet, wird wohl die kommenden Jahre prägen - unabhängig wie lange der offene Konflikt dauert.


Abgesehen von unserer hohen persönlichen Betroffenheit und unserer Unterstützung für die Ukraine, legen wir heute den Fokus auf die wirtschaftlichen Folgen, zunächst auf die Energiepreise und wie sich diese in den kommenden Monaten entwickeln werden.

Monika Köppl-Turyna, Direktorin des Think Tank Eco Austria meint, dass sich „die Erdgaspreise im kommenden Jahr weiter erhöhen werden, und erst ab 2023 eine relevante Entspannung anzunehmen ist." In welchem Ausmaß die Energiekosten konkret steigen werden, ist aktuell eine der wichtigsten Fragen. Jedoch lassen die vielen schwer abschätzbaren Variablen keine mitteilbare Vorhersage zu.

Unternehmen der produzierenden Industrie leiden derzeit (noch!) nur teilweise unter den erhöhten utilities Preisen. Viele Verträge sind auf Saison- oder Jahreslaufzeit abgeschlossen und lassen die Erhöhungen noch nicht zu den Betrieben durchdringen. Wenn diese Vereinbarungen auslaufen, werden die Kostensteigerungen aus der Industrie über den Verkaufspreis weitergegeben und somit mittelfristig die Konsumenteninflation anheizen.

Welche langfristigen Folgen hat der Ukraine Krieg für den Energiemarkt?

  • Nachhaltige Energie kann künftig vermehrt dort produziert werden, wo es günstiger ist, wenn geeignete Transportmöglichkeiten zur Verfügung stehen. (Wir erinnern uns in diesem Zusammenhang an das Projekt Desertec).
  • Oder werden Unternehmen ihren Produktionsstandort zukünftig mehr nach lokalen Energiekosten und Energieverfügbarkeit aussuchen und damit zum wichtigsten Faktor für die Beurteilung von Fertigungsstandorten machen?
  • Wird Atomstrom oder Kohlekraft plötzlich wieder salonfähig?


Im Bankensektor sind Institute mit starkem CEE Geschäft naturgemäß am stärksten betroffen. Eine große, russische Bank mit EU Headquarter in Wien wurde bereits als insolvent gemeldet.

Insgesamt dürften die Auswirkungen auf die Financial Services Unternehmungen in DACH nach der verpflichtenden Erhöhung der Eigenkapitalquoten und den Stresstestungen allerdings deutlich stabiler sein, als dies vor 10 Jahren der Fall war.

Wer sind die Gewinner:innen der aktuellen Krise?

  • Wenig überraschend legten die Aktien von deutschen Defense Unternehmen teilweise bis zu 50% zu, und die …
  • Abkopplungstendenzen vom russischen Erdgas rücken die LNG Anbieter in den Fokus und befeuern deren Aktien merklich.
  • Die Planung, der Bau und die effektive Gewinnung von nachhaltiger Energie wird auf einer moralischen Ebene weiter befeuert und vermutlich über staatliche Fördermechanismen wieder intensiver gestützt werden.
  • In diesem Zusammenhang wird interessant, wie sich das Portfolio westlicher Energieformen zueinander langfristig ausprägen wird: Nachhaltige Energieformen, LNG, Kohle, Atomkraft.


Diese – und viele weiteren - wirtschaftlichen Ausprägungen stellen volkswirtschaftlich bedeutende Zäsuren dar. Zudem stellen sie die nächste gewaltige Herausforderung für Unternehmen am (hoffentlich!) Ende einer 2-jährigen Corona-bedingten Ausnahmesituation dar.

Viel wichtiger ist aber, dass wir eine humanitäre und gesellschaftliche Katastrophe bezeugen müssen.

Wenn Sie mehr über die Situation vor Ort erfahren möchten, empfehlen wir Ihnen einen aktuellen Podcast bei Trendingtopics:
Anna Iarotska, oftmals prämiierte CEO von „Robo Wunderkind“ & gebürtige Ukrainerin, teilt ihre Sicht auf die aktuellen Geschehnisse in ihrem Geburtsland, wie sie hilft, und wo aus ihrer Sicht Spenden schnell vor Ort ankommen.

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